Fräulein Immerglück

Indien: Tipps für eure Reiseplanung

Agra-18Indien also! Seit Kindertagen schon hat dieses Land mich fasziniert und ich habe Romane, Reiseberichte und Artikel über Indien verschlungen. Dabei hat sich ein komplexes Bild voller Widersprüche entwickelt – und auf meinem Reisewunschzettel stand Indien ganz weit oben, weil ich mir unbedingt selber einen Eindruck verschaffen wollte. Ende des letzten Jahres ging es dann endlich dorthin.

Und das widersprüchliche Bild im Kopf hat sich bestätigt. Indien ist wunderschön und erschreckend hässlich und schmutzig, voll von majestätischem Prunk und Reichtum und bettelarm, chaotisch und von einem strengen Regelsystem durchzogen. Kurz: Man kann Indien nur sehr schwer in Worte fassen.

In den kommenden Wochen werde ich nach und nach meine Blogposts zu der Reise veröffentlichen – immer mit ein paar anderen Beiträgen dazwischen, damit es nicht zu Indien-lastig wird.

Los geht es mit ein paar praktischen Tipps:

DIE ROUTE
Wir waren knapp drei Wochen unterwegs und haben eine ganz schön weite Strecke hinter uns gelegt: Delhi – über Fatehpur Sikri nach – Agra – Gwalior (nur zum Umsteigen in den Zug) – Varanasi – Gwalior – Bundi – Udaipur – über Ranakpur und Chattanurgah nach – Jodpur – Jaisalmer – eine Nacht in der Wüste – Pushkar – Jaipur – Delhi. Falls ihr das Ganze auf einen Blick sehen möchtet, findt ihr hier unsere Route auf der Karte.

Es gab ein paar Tage, die wir größtenteils im Auto verbracht haben. Dennoch würde ich die Reise wieder genauso planen. Schließlich weiß ich nicht, ob und wann ich noch mal zurück kehren werde, und so habe ich all die Orte im Norden Indiens gesehen, die mir sehr wichtig waren. Und wir haben in einigen Städten mehrere Nächte verbracht, um uns von den längeren Fahrten etwas auszuruhen. Für mich persönlich genau die richtige Mischung. Die Reiselänge von drei Wochen war meiner Meinung nach das Minimum für diese Route – wenn ihr Zeit habt und das Urlaubskonto es hergebt, wären ein paar Tage länger sicher auch nicht schlecht.

TRANSPORT…

…mit dem Flieger
Für die meisten bekannten Routen im Norden Indiens bietet es sich an, nach Delhi zu fliegen – dort sind auch wir gelandet. Die Stadt wird von vielen internationalen Airlines angeflogen, so dass ihr bei der Flugsuche eine gute Auswahl habt.

…mit dem Auto
Vor Ort haben wir den größten Teil der Reise mit einem persönlichen Fahrer zurück gelegt. Das hatte ein paar großartige Vorteile: Wir waren unabhängig, konnten spontane Stops einlegen, bei Tagestrips unsere Sachen im Auto lassen und waren in einem klimatisierten Wagen unterwegs. Unser Fahrer war freundlich, hat uns viel über Indien und die Kultur erzählt und vor allem hat er uns sicher durch den indischen Straßenverkehr gebracht – Hut ab! Gebucht hatten wir ihn vor der Reise über die Agentur Indian Panorama, die ich sehr empfehlen kann. Wir haben unsere Route im Vorfeld selber ausgearbeitet und diese per Mail durchgegeben und um eine Einschätzung gebeten, ob das so realistisch sei (an zwei Stellen mussten wir noch mal anpassen, weil wir den indischen Verkehr unterschätzt hatten). Die Hälfte des Betrags hatten wir vor Reiseantritt online überwiesen, die andere Hälfte vor Ort bezahlt.

…mit dem Zug
Die Strecke Gwalior – Varanasi (und retour) haben wir mit dem Nachtzug zurück gelegt. Die Tickets online zu kaufen, fanden wir recht herausfordernd; Unter anderem war dafür nämlich eine indische Kreditkarte nötig. Hier hat uns Indian Panorama dann auch geholfen und die Fahrkarten für uns gebucht.

Zugfahren in Indien ist definitiv ein, naja, Erlebnis. Meine Tipps für euch:

  • Benutzt die Toilette am Anfang der Reise und versucht danach, nicht so vie zu trinken. Der Zustand der Örtlichkeiten verbessert sich mit Dauer der Reise nicht unbedingt.
  • Nehmt euch etwas zu Essen mit. An manchen Stops sind Verkäufer mit Alu-Schälchen durch die Wagons gelaufen, aber man weiß vorher ja nicht, ob das nach seinem Geschmack ist.
  • Packt einen dünnen Schal ein, den ihr euch bei zu kalter Klimaanlage um den Kopf wickeln könnt
  • Und sorgt für Unterhaltung – unsere Route war für jeweils 13 Stunden angesetzt, wir hatten aber auf der Hinfahrt eine, auf der Rückfahrt zwei Stunden Verspätung.
  • Ohropax sind auch keine schlecht Idee, im Zug ist es nämlich ganz schön laut.

HOTELS
Wir waren um Diwali herum unterwegs, einem der größten indischen Feiertage, zu dem auch tausende Indier verreisen. Daher haben wir sämtliche Hotels vorab reserviert (über Booking.com, so dass wir notfalls hätten kostenlos stornieren können). Am besten gefallen haben mir die kleinen, inhabergeführten Hostels und kleinen Hotels – für die besonders netten findet ihr in den jeweiligen Blogposts Empfehlungen.

ESSEN UND TRINKEN

Exotische Gewürze, leckere Soßen und vor allem die Vielfalt, mit der Gemüse zubereitet wird – die kulinarischen Spezialitäten in Indien haben mich echt begeistert! Auch wenn ich kein Vegetarier bin, macht man mich eher fleischlos glücklich, und die Küche Indiens bietet dafür hervorragende Voraussetzungen. Da Indien ein sehr günstiges Reiseland ist, zahlt man auch für eine üppige Mahlzeit in der Regel nicht viel – für umgerechnet 5-7 Euro für zwei kann man schon sehr gut speisen.

Empfehlen kann ich euch auf jeden Fall, euch beim Bestellen noch einmal abzusichern, was „mild“ heißt – das Essen ist zwar milder als in Südostasien aber immer noch deutlich schärfer, als wir das so gewohnt sind. Und man kann es nicht gerade als leichte Kost bezeichnen, viele Gerichte triefen geradezu vor Zucker und Fett. Besonders toll fand ich die Thali, die in den meisten Restaurants angeboten werden: Eine Auswahl verschiedener kleinerer Gerichte, so dass man immer mal wieder was Neues probieren kann.

Ein köstliches Getränk, das ihr in Indien an jeder Ecke bekommt, ist der Chai Tee: Kräftiger Schwarztee mit exotischen Gewürzen und Milch gekocht. Glaubt mir, der Chai in Indien ist mit nichts vergleichbar, was man in der Hamburger Schanze oder Berlin Mitte so als „Chai“ serviert bekommt  – er ist viel, viel leckerer! Da das Ganze meist ziemlich süß serviert wird, habe ich meistens „ohne Zucker“ bestellt und dann selber nachgesüßt.Indien Reisetipps Küche

GESUNDHEIT
Also von Indien hört man ja so einiges, was gesundheitliche Risiken betrifft. Ich hatte zumindest im Vorfeld so einiges gehört – und eine ziemlich umfangreiche Reiseapotheke dabei. Was ich davon gebraucht habe: Ein Pflaster und ein paar Kopfschmerztabletten in drei Wochen. Angeblich ist es ja völlig unumgänglich, sich einen „Delhi-Belly“ zu holen – aber wir haben es doch tatsächlich geschafft, keinen einzigen Tag auch nur ansatzweise Magen-Darm-Probleme zu haben (ich finde das immer noch unglaublich).

Meine Tipps, damit es euch ebenso geht:

  • „Cook it, peel it or forget it“ – diese alte Reiseregel hatten wir sehr verinnerlicht und uns strikt daran gehalten
  • Trinkwasser haben wir nur im Kiosk oder im Supermarkt gekauft – niemals von den Händlern vor Sehenswürdigkeiten
  • Die Restaurants haben wir alle vorab bei Tripadvisor angeschaut – wenn es Kritiken bezüglich Hygiene oder verdorbenem Essen gab, stand der jeweilige Laden außer Betracht. Klar, ein wenig Spontanität geht dabei flöten, lange Stunden auf schmutzigen Toiletten aber auch.

Indien Varanasi Reisetipps
SICHERHEIT

Und last but not least noch ein paar Worte zur Sicherheit. Gerade als Frau und nach den Schlagzeilen der letzten Jahre über Überfälle in Indien liegt es auf der Hand, sich mit dem Thema auseinander zusetzen (und wenn ihr es nicht tut: Vor der Abreise fragen euch ungefähr 134 Menschen, ob ihr euch das auch gut überlegt habt). Ich bin während der Reise in keine brenzlichen Situationen geraten, allerdings war ich auch nicht allein unterwegs. Grundsätzlich habe ich mich sehr konservativ gekleidet: T-Shirts immer Schulter bedeckend, lange Hosen oder Röcke und keine tiefen Ausschnitte – trotzdem bin ich überall intensiv angestarrt worden. Ich gehe mal davon aus, dass das größtenteils gar nicht an irgendwelchen Absichten lag, sondern daran, dass man als blonde Europäerin in einem asiatischen Land halt auffällt. Es sorgte aber dafür, dass ich mich in manchen Situationen nicht ganz wohl gefühlt habe bzw. froh war, in Begleitung zu sein.

Worauf ihr – wie an wirklich jedem Reiseziel – achten solltet: eure Wertsachen gut am Körper zu verteilen bzw. sicher zu transportieren. Und lasst euch von einem Tuk-Tuk- oder Taxifahrer niemals weis machen, euer Hostel oder Restaurant sei geschlossen/abgebrannt/weggeflogen: Dann handelt es sich um Schlepper, die euch zu einer anderen Alternative bringen wollen und dafür Geld kassieren wollen. Und passt auf, dass ihr nicht umgefahren werdet – auf den Straßen ist wirklich alles mögliche (Mopeds, Tuk-Tuks, Autos, Kühe) in wilder Unordnung unterwegs.P1060955

So – das war erst mal der generelle Überblick. Im nächsten Indien-Blogpost berichte ich euch von Agra und dem Taj Mahal.

 

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1 Comment

  • Reply
    GOnej
    29. September 2016 at 16:26

    Gute Tipps für einen Indien-Urlaub. Ich war schon zwei Mal dort (einmal geschäftlich) …und die Leute, die Farben – das begeistert schon.
    Man muss halt leider immer auf Kleinigkeiten achten, wie z.b. bei Restaurants: bessere Restaurants vermitteln etwas Stil, die Kellner sprechen gutes Englisch und …ich finde …wenn man sich vorher die Toiletten anguckt, weiß man ganz schnell, was für ein Hygiene-Standard herrscht !(bitte nicht 100 % deutschen Standards ansetzen ;-))
    Wenn es da aussieht ….dann stimmt doch auch die Hygiene bei den Mitarbeitern nicht.

    Ein bisschen Magenprobleme kann man immer kriegen, bei ner Geschäftsreise also vorsichtig sein. Soll ja nicht gleich der ganze Arbeitsablauf gestört sein 😉

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