Fräulein Immerglück

Gelesen: Kapital

Capital BuchtippDie Bewohner der Pepys Street im südlichen London haben von ihrem Wohnort abgesehen nicht besonders viel gemeinsam. Ganz unterschiedliche Schicksale, Kontostände und Zufälle haben dazu geführt, dass sie eines der hübschen (und mittlerweile teuren) Häuschen bewohnen. Alle von ihnen bekommen eines Tages regelmäßig Postkarten. „We want what you have“ steht darauf.

Die meisten der Nachbarn nehmen die Karten zunächst nicht ernst und tauschen sich auch nicht darüber aus – nicht zuletzt deshalb, weil die meisten von ihnen kaum etwas miteinander zu tun haben. Doch die Postkarten kommen häufiger, es folgen Videobänder und weitere, weniger angenehme Pakete, so dass die Polizei eingeschaltet wird. Und das große Rätseln um die Person und ihr Motiv hinter der Aktion beginnt.

Der Roman ist in kurze Kapitel aufgeteilt, in denen das Geschehen jeweils aus Sicht einer der Nachbarn geschildert wird. Ihr lernt die alte Dame Petunia kennen, die seit Kindertagen in ihrem Haus lebt und mit einem Gehirntumor im Sterben liegt. Sie wird regelmäßig von ihrer Tochter und ihrem Enkel besucht – ein erfolgreicher Künstler, der seinen Trainee gerade gefeuert hat, was nicht ohne Folgen bleiben wird. Der schwerreiche Banker Roger steckt aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils in finanziellen Schwierigkeiten, traut sich jedoch nicht, das seiner kaufsüchtigen Frau zu erklären. Diese beschäftigt für diverse „Hausverschönerungs-Maßnahmen“ gern und häufig den jungen Polen Zbigniew, der London nur als Übergangslösung sieht, um mit mehr Geld in die Heimat zurück zu kehren. Genauso wie der 17-jährige aufstrebende Fußballstar Freddy, der gerade erst aus dem Senegal nach England gezogen ist und sein Glück noch gar nicht fassen kann.

Und das sind nur ein paar der Protagonisten. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte zu erzählen, teilweise spielen sie jeweils eine kleine Rolle im Leben eines anderen, oft sind es aber auch nur kurze Begegnungen. Die Handlungsstränge fand ich ausnahmslos so spannend geschildert, dass ich die einzelnen Geschichten sehr gern mit verfolgt habe. Durch die kurzen Kapitel und viele geschickt gewählte Cliffhanger am Ende der Kapitel, hat John Lancaster es geschafft, mich die ganzen knapp 600 Seiten über neugierig zu halten, wie es denn nun jeweils weiter geht. Und – ihr ahnt es vielleicht – das hat mir es mir fast unmöglich gemacht, das Buch aus der Hand zu legen.

Um ganz ehrlich zu sein: Die Auflösung des Rätsels ist für mich dabei total in den Hintergrund geraten. Viel spannender fand ich die Lebensgeschichten der Protagonisten und teilweise das Tempo, mit dem sie sich selber ins Unglück galoppieren. Ob das nun eine Stärke oder eine Schwäche des Buchs ist (immerhin geht es um den  Hauptplot), könnt ihr ja selber beurteilen – denn ich kann euch sehr empfehlen, den Roman selber zu lesen!

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